Wenn Worte meine Waffe wären

Scheherazade ist Muslimin. Ihre Familie stammt aus dem Iran und ihre Eltern sind schwer traumatisiert, vor allem bei ihrem Vater wird das sehr deutlich. Und Scheherazade verliebt sich in ein Mädchen. Während ihre Mutter sie verstößt, reagiert ihr Vater verständnisvoll und tolerant. Dieser Roman ist ein Plädoyer für Toleranz und Verständnis. Besonders spannend ist, dass der Text aufgelockert wird durch handschriftliche Tagebuch einträge und Zeichnungen eingestreut in den Text.

 

 

Aamand, Kristina, Wenn Worte meine Waffe wären, Dressler Verlag 2019, 16 Euro

Fatima und Richard

Fatima Massaquoi und Richard Heydorn lernen sich in der Schule kennen, in einer Abiturvorbereitungsklasse in Hamburg. Die afrikanische Prinzessin und der Pfarrerssohn verbringen einige unbeschwerte Jahre zusammen. Richard , der eigentlich Musiker werden wollte, wendet sich nun der Afrikanistik zu. Er verbringt viele Jahre in Afrika und untersucht die indigenen Sprachen. Fatima kehrt nach Liberia zurück und wird eine groose Persönlichkeit für die Bildung in Liberia. Regelmäßig besucht sie die Familie Heydorn in Deutschland. Sie stirbt 1978 hochgeehrt.

 

Groschek, Iris, Hering, Rainer, Fatima und Richard, Ulrike Helmer Verlag 2019, 19 Euro

19 Euro

Frisches Blut

Doris Gerckes Geschichten sind ein bisschen gemein, wie der Klappentext sagt. Vor allem erzählen sie nicht aus der Sicht des Guten der den (bösen) Verbrecher fängt. Oft nimmt Doris Gercke die Position des Täters ein. Im Falle des Richters, der seine Ehefrau einzig und allein deshalb umbringt weil sie ihn nervt, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. In den meisten Fällen jedoch überwiegt das Verständnis für die Täter, oder das Mitleid, wie im Falle des Abenteurerpärchens das in seinem Winterquartier von der Polizei gestellt wird. Die Geschichten erzählen gänzlich unspektakulär vom Bösen oder von den guten Absichten in der vordergründig bösen Tat.

 

 

 

Gercke, Doris, Frisches Blut, Argument Verlag 2019, 15,- Euro

Mutter zieht aus

Mit diesem Buch hat Karen-Susan Fessel ihrer Mutter die schönste Liebeserklärung gemacht, die man sich vorstellen kann. Der Titel „Mutter zieht aus“ klingt, sicher nicht zufällig, eher nach dem Aufbruch eines jungen Mädchens als nach der letzten Station eines alten Menschen. Die alte Frau lässt nach dem traumatischen Erlebnis des Oberschenkelhalsbruchs keine Trauer aufkommen. Sie lässt leicht ihr altes Haus los und freut sich auf den Neuanfang in der Seniorenwohnung. Als Leserin denkt man eher an die Geschichte einer Emanzipation, als an den Niedergang eines Menschen. Und so ganz nebenbei hat Karen- Susan Fessel auch ein historisches Dokument zum Thema Flucht und Vertreibung geschaffen, als sie die Geschichte ihrer Mutter dokumentiert. Ein rundum gelungenes Buch, das mich begeistert hat...

 

 

Fessel, Karen-Susan, Mutter zieht aus, Konkursbuchverlag 2018, 14,90 Euro

Alle Farben der Nacht

Dieser Roman ist zutiefst verstörend. Die Geschichte Emilias beginnt mit einer Vergewaltigung und endet in der Psychiatrie. Dazwischen liegt eine Odyssee geprägt von Drogengebrauch, Alkohol , Sex und Gewalt. Die Leserin ahnt, dass die Geschichte schon früher beginnt. Und zwar mit dem Tod der Mutter, der das halbwüchsige Mädchen allein zurücklässt. Viel Raum für eigene Interpretationen lässt diese Geschichte. Sie ist faszinierend und abstoßend zugleich und zeichnet ein düsteres, trauriges Weltbild.

 

 

Zauels, Jonas, Alle Farben der Nacht, Ulrike Helmer Verlag 2017, 12,95 Euro