Alle Farben der Nacht

Dieser Roman ist zutiefst verstörend. Die Geschichte Emilias beginnt mit einer Vergewaltigung und endet in der Psychiatrie. Dazwischen liegt eine Odyssee geprägt von Drogengebrauch, Alkohol , Sex und Gewalt. Die Leserin ahnt, dass die Geschichte schon früher beginnt. Und zwar mit dem Tod der Mutter, der das halbwüchsige Mädchen allein zurücklässt. Viel Raum für eigene Interpretationen lässt diese Geschichte. Sie ist faszinierend und abstoßend zugleich und zeichnet ein düsteres, trauriges Weltbild.

 

 

Zauels, Jonas, Alle Farben der Nacht, Ulrike Helmer Verlag 2017, 12,95 Euro

Mein lesbisches Auge 17

Jedes Jahr erscheint diese Sammlung erotischer Bilder und Geschichten zum lesbischen Leben. Da lernt eine ältere Frau die lesbische Liebe durch käuflichen Sex kennen und ist begeistert. Eine andere hat ein erotisches Erlebnis mit einem Riesenweib, mit Massen Fleisch. Eine Dritte sehnt sich beim Sex nach ihrer Ex, obwohl sie sie selbst verlassen hat. Und nicht zuletzt erzählt einen Transfrau aus ihrem Leben. Diese Geschichten bieten einen unglaublichen Reichtum an erotischen Phantasien und Bildern.

 

 

Mein lesbisches Auge 17, Konkursbuch Verlag 2017, 16,80 Euro

Wegbereiterinnen 2020

Ich freue mich, dass ich wieder den Kalender „Wegbereiterinnen“ für Euch besprechen kann. Er ist mit neuen Porträts bekannter Frauen immer wieder interessant.Im Januar wird Marianne Brandt, frauenbewegte Metalldesignerin im Weimarer Bauhaus, vorgestellt. Sie wird 1925 stellvertretende Leiterin der Metallwerkstatt. Das war auch für das Bauhaus ungewöhnlich. Auch dort arbeiteten Frauen bis dahin meist in der Weberei. Sie fiel auch durch feministische Artikel auf. Der Nationalsozialismus beendete ihre Karriere. Erst mit der Bauhaus Ausstellung 1977in Leipzig gewann sie wieder an Ansehen.Im Mai wird Mathilde Jacob porträtiert. Sie war die Assistentin Rosa Luxemburgs. Auch nach ihrem Tod engagierte sie sich für die KPD. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert und starb am 14. 04. 1943. Im Oktober wird Agnes Smedley (1892-1950) porträtiert. Die Frauenrechtlerin beschreibt ihre Kindheit in bitterer Armut im „wilden Westen“ in dem Titel „Daughter of earth“.1920 reiste siie nach Europa.Mit Käthe Kollwitz setzte sie sich für eine Klinik zur Geburtenkontrolle ein. Nach schweren Krisen reiste sie 1928 nach China. Dreizehn Jahre lang schrieb sie Reportagen über Chinas Frauen. Sie starb 1950 in London. So ist jeder Monat dieses Kalenders ein Erlebnis. Die meisten der porträtierten Frauen werden in der etablierten Geschichtsschreibung nicht erwähnt. So ist der Kalender ein wichtiges Instrument der Neuen Frauenbewegung.

 

Wegbereiterinnen 2020, AG Spak 2020, 14,50 Euro

Frag nicht nach gestern

Leonie ist 19 Jahre alt, als sie ihre Reststrafe in einem Resozialisierungsprojekt an einem einsamen finnischen See absitzen soll. Acht Frauen und eine Sozialarbeiterin leben hier und keine redet über ihre Vergangenheit. Leonie ist sehr skeptisch und trägt sich mit Fluchtgedanken. Doch erstmal muß sie so tun als lebe sie sich ein und nicht ganz zufällig passiert genau das. Freundschaften entstehen, vor allem zu Mia, die so ganz anders ist als alle Frauen die Leonie bisher kannte. Leonie schreibt und füllt die nichterzählte Vergangenheit der Frauen mit Leben. Nach einem mißglückten Fluchtversuch will sie gar nicht mehr weg. Vielleicht erzählt sie irgendwann ihre eigene Geschichte. Mias hat sie inzwischen schon erfahren....

 

 

Herrndorf, Sophie, Frag nicht nach gestern, Querverlag 2019, 14,90 Euro

Das Mädchen mit dem Löwenherz

Anna von Zons ist eine Zeitgenossin von Martin Luther. Sie hat eine besondere Begabung, die sie ihr Wolkenauge nennt. Wir würden heute sagen, sie hat ein fotografisches Gedächtnis. Sie wird von Befürwortern der Reformation benutzt sich belastende Texte der Kirchenoberen zu merken. Von den Gegnern der Reformation wird sie verurteilt bis hin zur Brandmarkung als Hexe. Sie wird gefangen genommen, zieht als Whistleblowerin durch die Lande, wird Priorin eines Damenstifts, die Wirren einer sich rasant verändernden Gesellschaft halten sie in ihren Fängen. Schließlich lebt sie in einem Versteck und schreibt ihre Lebensgeschichte für Martin Luther auf. Doch Martin Luther stellt die Hierarchien seiner Zeit nicht in Frage und so weist er Anna in ihre Schranken als Frau und als Intellektuelle.

 

 

Seidel, Jürgen, Das Mädchen mit dem Löwenherz, cbj Verlag 2018, 16,99 Euro