Mein Herz ist wie das Meer

Daniela Schenk kannte ich bisher vor allem aus witzigen Krimis, hier widmet sie sich einem ernsten Thema, nämlich der bipolaren Störung. Wie sie die depressiven und manischen Phasen ihrer Protagonistin Amelie durch abgehackte Stakkatosätze beschreibt ist meisterhaft. Als Leserin kann ich mir sowohl die Manie, wie auch die Depression gut vorstellen. Als Amelie Zazou kennenlernt und sich verliebt, verbietet sie sich lange Zeit die Beziehung, denn sie schätzt ihre Störung als zerstörerisch ein. Es dauert lange bis die beiden Frauen zusammenkommen. Dann haben sie drei gute Jahre, bis Amelie sich in einer depressiven Phase von Zazou trennt und fortan jeden Kontakt ablehnt. Beide Frauen leiden jedoch unter der Trennung. Jahre später verursacht Amelie in einer manischen Phase einen Unfall, aus dem sie schwer gezeichnet hervorgeht. Doch der Unfall hat auch sein Gutes. Amelie ist jetzt bereit für eine Therapie und für dauerhafte Medikamenteneinnahme. Sie hat eingesehen, dass die Höhenflüge der Manie unheilbringend sind, wie auch die extremen Phasen der Depression. Haben Zazou und Amelie jetzt doch noch eine Chance? Ihre Freunde tun jedenfalls alles um die beiden wieder zusammenzubringen.....

 

 

Schenk, Daniela, Mein Herz ist wie das Meer, Krug & Schadenberg, 16,90 Euro

Wegbereiterinnen 2022

Hocherfreut halte ich den Kalender Wegbereiterinnen 2022 in den Händen. 20 Jahre gibt es den Kalender jetzt, das wird gefeiert.... Im Januar wird eine Paläontologin die von 1799 – 1847 gelebt hat geehrt, Mary Anning. Im April wird die Berufsschullehrerin und Oberschulrätin Olga Essig geehrt. Sie hat einen für ihre Zeit (1884- 1965) ungewöhnlichen Berufsweg eingeschlagen. Sie war SPDmitglied und hatte deshalb zeitweilig berufliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Im August wird über Granny Nanny berichtet. Die Jamaikanerin wird in die Sklaverei verkauft, kann sich mit ihren Brüdern befreien und lebt fortan bei den Maroons, befreiten Sklaven. Sie lebte ca. 1686 – ca. 1740. So setzt der Kalender wieder bemerkenswerten Frauen, die von der Geschichtsschreibung weitgehend vergessen wurden, ein Denkmal.

 

 

Wegbereiterinnen 2022, AG Spak, 14,50 Euro

Rihanas Rache

Ein Mann wird in seinem Krankenhausbett erstochen. Dem Team der Ermittlerin Judith Rabe steht eine schwierige Ermittlung bevor. Es stellt sich heraus, dass der Mann ein Flüchtling war und ein Kriegsverbrecher. Die Situation der Flüchtlinge aus Syrien wird sachgerecht und durchaus Parteiisch dargestellt. Die Ermittler sind immer auf der Seite der politisch Verfolgten. Trotzdem kommen die syrische Krankenschwester Rihana und ihre Freunde in Verdacht. Wollte Rihana den Tod ihrer Familie rächen, für den der Ermordete verantwortlich war? Jedenfalls ist sie untergetaucht. Doch bald zeichnet sich ein anderer Verdacht ab und ein tschetschenischer Clan gerät ins Visier der Ermittler. Nun gilt es Den Täter hinter Gitter zu bringen, ohne dass die Zeugin Rihana, und andere Zeugen, in Gefahr geraten.Ob das gelingt macht die Spannung des Buches aus. Ein in jeder Hinsicht gelungener Krimi erwartet die Leser*in.

 

 

Sonja Steinert, Rihanas Rache, Quer Verlag, 14,00 Euro

Schleierwolken

Dieser Roman beginnt absolut unspektakulär und es scheint nicht allzu viel dramatisches zu passieren. Dennoch gelingt es Regina Nössler einen hohen Spannungsbogen aufzubauen, einfach nur dadurch, dass ihre Protagonistin, Elisabeth, sich diffus verfolgt fühlt, ohne das genauer erklären zu können. Erst am Ende des Buches wird deutlich wer der Verfolger ist und das Buch nimmt eine hochdramatische, bedrohliche Wendung. Und dann holt Elisabeth ihre Vergangenheit ein, denn auch sie hat so ihre Leichen im Keller....

Ein Buch, das fasziniert.

 

 

Nössler, Regina, Schleierwolken, Konkursbuch Verlag 2017, 12,-Euro

Voll fiese Flora

Die versierte Krimiautorin Monika Geier zeigt sich hier von einer ganz neuen Seite. Die liebevoll illustrierten Schilderungen einheimischer Giftpflanzen berücksichtigen immer auch einen sozialen und politischen Kontext. So wird bei der Beschreibung des Maiglöckchens der Widerspruch betont, dass es sich um eine absolut tödliche Pflanze handelt die dennoch für Sträusse zur Kommunion und für Brautsträusse genutzt wird. Der Rhododendron produziert einen berauschenden Honig, der schon in der griechischen Mythologie erwähnt wird. Und das Mutterkorn wird in seiner ganzen Bösartigkeit beschrieben, hat es doch früher ganze Landstriche entvölkert. Und doch lässt sich in den witzigen, oft ironischen, Beschreibungen die Krimiautorin erahnen, und ich muss beim Lesen an die Heldin der Krimis denken die den Pfälzer Wald sicherer macht...

 

 

Geier, Monika, Voll fiese Flora, Argumentverlag 2021, 15 Euro