Nachlese

Gerhard Schoenberner war ein glühender Antifaschist. Besonders die Kontinuität der alten Eliten bis in die Bundesrepublik beschäftigte ihn. Er benötigte Jahrzehnte, die Gedenkstätte im Haus der Wannseekonferenz durchzusetzen. Detailliert schildert er die Geiselerschießung des Paul B. In seinen Abhandlungen über den deutschen Film stellt er anschaulich dar, wie die Obrigkeitshörigkeit sich von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit fortsetzt. Der DDR Film kommt hier deutlich besser weg. Ob er hier zu unkritisch ist überlasse ich der Beurteilung der Leser_in. Amüsant und lehrreich zugleich ist der Abschnitt mit biographischen Aufsätzen.

 

Schoenberner, Gerhard, Nachlese, Argument Verlag 2017, 29,- Euro

Sommer in Barock

Die Opernsängerin Diana Kleedorf ist empört, als ihr von der Presse lesbische Gefühle unterstellt werden. Jedoch wenige Wochen später verliebt sie sich beim Anzinger Barocksommer in Sophie. Während Sophie mehr in der Beziehung sieht lässt Sophie keinen Zweifel  ldaran, dass es sich nur um eine Sommerliebe handelt. Diana reist enttäuscht ab. Doch wenige Wochen später reist Sophie ihr nach und von nun an sind die beiden Frauen unzertrennlich. Wie in einem Epilog erfahren wir im letzten Kapitel, dass Diana und Sophie bereits seit fünf Jahren zusammen sind.

 

Schairer,Carolin, Sommer in Barock, Ulrike Helmer Verlag 2017, 20,- Euro

Alles so hell da vorn

Bettina Boll ist schockiert. Ihr Kollege Ackermann wurde in einem Frankfurter Puff erschossen. Auf den ersten Blick scheint es kein komplizierter Fall zu sein. Ackermann wurde von einer Prostituierten erschossen, die dann mit seiner Waffe geflohen ist. Doch Bettina Boll vermutet mehr hinter dem Fall. Die jungen Frauen in der Sexy Bar sind ehemalige Kinderprostituierte die für die pädophile Kundschaft zu alt geworden sind. Und Manga erschießt auf ihrer Flucht noch einen Schulleiter, den Herrn Guttvater. Ganz gezielt hat sie sich dieses Opfer ausgesucht. Handelt es sich bei dem Mädchen um die als Kind verschwundene Meggie Lepp? Und wer ist der Richter, angeblich der Kopf dieses Kinderhändlerrings? Rätsel über Rätsel und dieser Fall nimmt immense Dimensionen an. Und dann muß Bettina noch das Haus ihrer verstorbenen Tante verkaufen. Eine einfache Sache wäre da nicht dieser geheimnisvolle Brunnen... Das Buch ist spannend und von der Themathik her hochaktuell.

 

 

Geier, Monika, Alles so hell da vorn, Argument Verlag 2017, 13 Euro

Lost Boy

Lennart ist in Hamburg gestrandet. Der Junge hat sein Gedächtnis verloren. Nur dass er Lennart heißt und aus Berlin kommtt ist ihm geblieben. Er hat Glück im Unglück, denn bei Werner auf dem Fischmarkt kann er arbeiten und in einem alten Wohnwagen leben. Und erlernt Jule kennen, das Mädchen mit den blonden Haaren und dem bezaubernden Lachen. Jule schlägt ihm vor nach Berlin zufahren auf den Spuren seines Gedächtnisses. Gesagt getan. In Berlin kennt sich Lennart sofort aus, findet auch die Wohnung seiner Eltern. Doch als er alte Bekannte sucht geraten Jule und Lennart in Gefahr. Macht Bulgur, der DJ, wirklich Experimente mit schädlichen Schallwellen? Das Mädchen Kaya ist jedenfalls gestorben, das war der Auslöser für Lennarts Gedächtnisverlust. Wie die Geschichte ausgeht will ich hier nicht verraten es ist jedenfalls spannend....

 

 

Groschupf, Johannes, Lost Boy, Oetinger Verlag 2017, 12,99 Euro

Wegbereiterinnen 2018

Den Kalender Wegbereiterinnen gibt es schon seit sechzehn Jahren und immer noch finden sich bekannte und berühmte Frauen. Im Januar wird Tatjana Barbakoff (1899- 1944) porträtiert. Tsipora Edelberg verliebte sich mit neunzehn Jahren in einen Offizier und ging mit ihm nach Deutschland. Als Tatjana Barbakoff eroberte sie in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg die Bühnen der Kabaretts und Theater. In der Nazizeit mußte sie fliehen. Im Januar 1944 wurde sie in Nizza von der Gestapo gefasst. Am 6. Februar wurde sie in Auschwitz ermordet. Im Februar folgt Clara Benthien (1887-1962) . Sie richtete in Hamburg mit ihrem Mann eine Weinprobierstube ein, die sich nach 1933 zu einem Ort des Widerstands entwickelte. In einem Hinterzimmer wurde die Flucht vieler Juden und politisch Verfolgter geplant. Der April schließt sich an mit der Kämpferin für afroamerikanische Frauenrechte Anna Julia Cooper. (!858-1964) Sie war eine Tochter des Sklavenhalters George Washington Haywood.Nach dem Bürgerkrieg konnte sie die Schule besuchen. Nach ihrer Heirat mußte sie ihren Beruf aufgeben und wurde bereits nach zwei Jahren Witwe. Sie kehrte zur Schule zurück und setzte sich fortan für die Bildung von Frauen ein. 1881 begann sie ein Studium am Oberlin College und im Alter von 66 Jahren erwarb sie ein Diplom der Sorbonne. Sie kämpfte vehement für die Rechte schwarzer Frauen. Im Juli setzt sich die Reihe der berühmten Frauen mit Käthe Leichter (1895-1942) fort. Käthe Leichter war eine der bekanntesten Persönlichkeiten der österreichischen Arbeiterbewegung. 1942 wurde sie im KZ Ravensbrück ermordet. So reiht sich eine bekannte Persönlichkeit an die andere und der Kalender ist so faszinierend wie jedes Jahr.

 

 

Wegbereiterinnen 2018, Ag Spak 2018, 14,50 Euro