Der einarmige Boxer

Der Name bürgt für Qualität. Als ich erfuhr, dass Klaus Kordon wieder ein Jugendbuch gemacht hat, wusste ich dass mir das gefallen würde. Diesmal ist es kein historisches Thema, sondern ein brandaktuelles, Schwangerschaften bei Jugendlichen.

Die siebzehnjährige Feri ist schwanger. Im Familienurlaub in Bayern hat sie den einarmigen Milan kennengelernt. Trotz seiner Behinderung macht Milan so gar nicht auf Mitleid, und überhaupt, er ist einfach toll. Zurück in Frankfurt bemerkt Feri, dass sie schwanger ist. Für die Eltern ist die Sache klar, so kurz vor dem Abitur kommt nur eine Abtreibung in Frage. Aber Feri ist unsicher, kann sich nicht entscheiden. Auf grund eines Missverständnisses kommt es beinahe zur Trennung von Milan. Doch dann finden die beiden wieder zusammen und treffen gemeinsam eine Entscheidung.

 

 

Kordon, Klaus, Der einarmige Boxer, Beltz & Gelberg 2016, 17,95 Euro

Wegbereiterinnen 2017

Seit einigen Jahren begleitet mich der Kalender Wegbereiterinnen durchs Jahr, und ich bin immer wieder begeistert über die Porträts außerordentlicher Frauen, die die MacherInnen des Kalenders ausgraben. Da sind so bekannte Persönlichkeiten wie Hannah Arendt. Die bekannte jüdische Philosophin emigrierte während der Hitlerzeit nach Amerika. Ihre bekanntesten Werke wurden dort veröffentlicht. 1961 beobachtete sie den Eichmannprozess in Israel und schrieb „ Die Banalität des Bösen“.Der Text war sehr umstritten und kostete sie viele Freunde. Von vielen anderen der porträtierten Frauen hören Kinder im Geschichtsunterricht nichts, sie sind nicht so allgemein bekannt wie Hannah Arendt. Da ist zum Beispiel Mary Harris Jones, genannt „Mother Jones“. Sie emigrierte als Zehnjahrige 1847 mit ihrer Familie aus Irland nach Amerika. Als junge Frau unterrichtete sie in einem Nonnenkloster. Später kam sie durch ihren Mann zur Gewerkschaftsarbeit. Mit 34 Jahren verlor sie ihren Mann und ihre vier Kinder durch eine Epidemie und widmete sich fortan ganz der Gewerkschaftsarbeit. Auch Mascha Kaleko und Emmy Scholem werden 2017 vorgestellt. Wenn man bedenkt, dass es diesen Kalender schon 15 Jahre gibt, wird deutlich wie zahlreich außerordentliche Frauen in der Welt sind,... und wie verfälschen die offizielle Geschichtsschreibung lange Zeit war.

 

 

Wegbereiterinnen 2017, AG SPAK Bücher 2017, 14,50 Euro

Vesna

Elisa verliert alles, als ihr Lebensgefährte Simon Casella sich das Leben nimmt. Da sie nicht verheiratet war hat sie auch keinerlei Ansprüche. Sie geht mit ihrer Tochter nach Wien und sucht sich einen Job. Sie landet in der Firma der ruppigen Geschäftsfrau Vesna Katic und wird bald deren persönliche Assistentin. Und zum Erstaunen aller ist sie Vesna gewachsen und hält sich in dem Job. Ihr fällt auf Vesnas Gemeinheiten immer eine schlagfertige Antwort ein. Schließlich freunden sich die beiden Frauen an. Vesna gesteht sich lange nicht ein, wie sehr sie Elisa braucht. Und Elisa ist doch hetero? Oder etwa doch nicht? Wie es weitergeht mit Elisa und Vesna ist vergnüglich zu lesen.

 

 

Schairer,Carolin, Vesna, Ulrike Helmer Verlag 2015, 14,95 Euro

Und was sagen die Kinder dazu

Zehn Jahre nach dem Erscheinen der ersten Interviews mit Kindern queerer Eltern sind die Kinder von damals junge Erwachsene. Bis auf eines sind alle Kinder mit ihrer Kindheit zufrieden. Sie erzählen übereinstimmend, dass das Aufwachsen in einer queeren Familie sie toleranter gegenüber alternativen Lebensformen gemacht hat. Die wissenschaftliche Auswertung zeigt auch dass Kinder sich in einigen Punkten besser entwickeln wie ihre Altersgenossen. Die Aufgeschlossenheit gegenüber alternativen Lebensformen gehört dazu. In einer Familie gehen die lesbischen Eltern nicht allen Bekannten und Verwandten gegenüber offen mit dem Lesbischsein um. Das beeinflusst die Kinder stark und macht sie empfindlicher in bezug auf Diskriminierungen. Die meisten Kinder berichten, dass Diskriminierungen eher selten vorkommen. Alles in allem sind fast alle Kinder sehr zufrieden und verstehen sich gut mit ihren Eltern. Vorurteile die besagen dass Kinder queerer Eltern selber schwul oder lesbisch werden sind offenbar aus der Luft gegriffen. Aber alle Kinder berichten dass sie offen für eine gleichgeschlechtliche Beziehung sind, falls sie sich je verlieben sollten...

 

 

Streib-Brzic, Uli, Gerlach, Stephanie, Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später!, Querverlag 2016, 19,90 Euro

Tal des Schweigens

Dieser Roman spielt im Apartheidsüdafrika der fünfziger Jahre, die Apartheid wird noch weitgehend unwiedersprochen hingenommen. Umso erstaunlicher ist es,dass Detective Emmanuel Cooper sensibel für die Ungerechtigkeiten der Apartheid ist. Er wird eines Nachts in die Drakensberge gerufen. Zusammen mit dem Zuludetective Shabalala soll er den Mord an einem Zulumädchen aufklären. Amahle, die Tochter des Chiefs, liegt wie aufgebahrt, mit Blumen geschmückt, in den Bergen. Aber woran starb sie? Überall schlägt den Detectives Schweigen entgegen. Amahle war unzufrieden mit ihrem Leben als Dienstmädchen. Sie hat sich für das Leben in der Großstadt auf nicht ganz legale Weise Geld beschafft und wollte weglaufen. Doch ihr Tod hat letztendlich viel banalere Gründe...

 

 

Nunn, Malla, Tal des Schweigens, Argumentverlag 2016, 13,- Euro